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01.06.2017 12:21

Anne Will: Griffige Beispiele parat haben ist in Expertenrunden unverzichtbar

Kategorie: News
Von: MD

Die „Anne Will“-Sendung zur Außenpolitik von Donald Trump vergangenen Sonntag war ein Lehrbeispiel dafür, dass kompetenter Talk doch noch funktioniert. Denn im Vordergrund stand die argumentative Brillanz der Teilnehmer. Wer besonders hervorstach und was die wesentlichen positiven Merkmale waren, die sich auch Talk-Anfänger aneignen können, das hat DIKT-Trainer Matthias Dezes analysiert.

Beachtlich: Es war - wie fast immer - sehr hilfreich, dass Elder Statesmen wie Donahnyi und Experten wie Wolffsohn, Neiman und von Marschall diskutierten anstatt Leute, die sich nach tagespolitischen und wahlkampf-taktischen Zielen richten müssen. Trotz unterschiedlicher Auffassungen eine Attitüde gegenseitiger Wertschätzung zeigen – das war bei Anne Will eine durchgängige Haltung. Mit anderen Worten: In unaufgeregten Sendungen wie der vom Sonntag könnte auch ein Manager brillieren – wenn es demnächst einmal um Handelspolitik geht!

 

Gröbster Ausrutscher: Trump-Gegnerin Susan Neiman, verhedderte sich in einem Vergleich zwischen der Wahl von Trump und der US-Präsidentschaftswahl 2000: Die Aussage, George Bush sei „nicht rechtmäßig gewählt“ ist schwierig zu begründen. Immerhin hatte das US-Supreme Court die Wahl anerkannt. Egal, wie man dazu stehen mag, aber ein solches Thema ist zu sperrig für eine TV-Sendung. Neiman, die den ganzen Abend lang überzeugend die Seite der Trump-Gegner in den USA vertreten hatte, bot mit diesem schwierigen Vergleich unnötig Angriffsfläche. Merke: Auch in Expertenrunden immer darauf achten, griffige Beispiele zu bringen. Sonst geht der Schuss nach hinten los. 

 

Die besten Statements:

 

Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im deutschen Bundestag: „Wir müssen die westliche Allianz über diese Regierung retten. Und dafür muss Europa mehr tun.“

 

Christoph von Marschall, früher lange Jahre US-Korrespondent des Tagesspiegel: Tagesspiegel: „Je mehr Trump von seinen Wahlversprechen abrückt, umso berechenbarer wird er für uns.“ 

 

Klaus von Dohnanyi, ehemaliger Erster Bürgermeister von Hamburg: „Dass der Generalsekretär der NATO wie ein Butler neben Donald Trump steht, das muss sich ändern.  Der gehört abgelöst. Der hätte widersprechen müssen, oder zurücktreten.“ 

 

Susan Neiman, aus den USA stammende Philosophin und Leiterin US-Philosophin, Chefin des Forschungs-Instituts Einstein Forum in Potsdam: „Es gibt mehr Widerstand in den USA, als man sich vorstellen kann. Das ist das einzige Gute.“

 

Michael Wolffsohn, Historiker, Professor Emeritus an der Universität der Bundeswehr, kritisierte die allgemeine Aufgeregtheit über alles, was aus dem Weißen Haus kommt: „Ich bin kein Freund von Trump, aber wir müssen einmal differenzieren, was Sache ist und was nicht.“

 

Talk-Experte Dezes: „Wolffsohn und Dohnanyi waren denn auch die eigentlichen Gegenpole der Debatte. Es ging zwar hart zur Sache, aber mit mit Respekt vor dem Kontrahenten – das hat beiden Punkte gebracht!“

Wolffsohn analysierte zunächst messerscharf, warum Trumps Nahost-Trip schädlich war. Dann jedoch erinnerte er daran, dass die Amerikaner stets zu ihren partnerschaftlichen Verpflichtungen innerhalb der NATO gestanden haben und kritisierte den „vulgären und primitiven Antiamerikanismus.“ Das wollte der ehemalige Erste Bürgermeister von Hamburg nicht so stehen lassen: Es habe in der US-Regierung schon immer „viele intelligente Leute gegeben, die aber keinen Sachverstand haben für das, was in der Politik nötig ist. Da ist ein Bauern-Verstand besser als das, was einem in den USA manchmal geboten wird.“ 

 

Matthias Dezes ist gelernter Wirtschaftsjournalist und berät seit rund 20 Jahren CEOs und Geschäftsführer vor allem in der Finanz-, Kanzlei- und Automobilbranche. Sein Trainingsangebot umfasst auch die Vorbereitung auf Pressekonferenzen und Interviews, auf IPOs und Analystenkonferenzen. Seine Impulsvorträge „Wie die Medien arbeiten“ und „Warum Manager in politische Talkshows gehen sollten“ werden für Firmen-Events regelmäßig gebucht. 

 

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