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28.09.2016 14:36

TV-Duell Clinton vs. Trump: Die raffinierten Mechanismen im Hintergrund

Von: LG

Die Medien sind sich einig: Hillary Clinton hat das erste TV-Duell gegen Präsidentschafts-Widersacher Donald Trump gewonnen. Hat sie? Die Kommunikationsexperten des DIKT sehen nicht nur die inhaltlichen Erfolge von Clinton als entscheidend an. Es gibt noch ganz andere Faktoren im Hintergrund - und die hat sich Trump entweder geschickt oder zufällig zu Nutze gemacht.

Zunächst: Hillary Clinton war gut vorbereitet auf das erste, direkte Duell mit ihrem Kontrahenten. In der 90-minütigen Debatte schaffte sie es, beinahe alle wichtigen Themen zu platzieren und Donald Trump zu unüberlegten Reaktionen zu provozieren. Durch Unterbrechungen seinerseits ließ sich Clinton selbst hingegen nicht aus der Ruhe bringen. Ihre Antworten und Argumente schienen gut durchdacht - manchmal allerdings zu gut. An einigen Stellen des TV-Duells wirkte der Auftritt der Demokratin und ehemaligen First Lady beinahe einstudiert, darunter litt ihre Authentizität.
 
Von Vorbereitung auf die Debatte war bei Clintons Gegner Donald Trump nicht viel zu sehen. Fast wirkte der Republikaner, als wolle er sich durch das TV-Duell improvisieren. Clinton hingegen nutzte die sich ihr bietenden Chancen und unterstellt Trump Rassismus, mangelnde Begabung als Geschäftsmann und Frauenfeindlichkeit. Trumps Abwehrversuche wirken schwach, anstatt zu argumentieren wurde er oft laut, wirkte aggressiv, unterbrach seine Gegnerin. Seine Antworten im Allgemeinen wirkten die meiste Zeit unstrukturiert.

„Wichtig ist aber, was in den Köpfen der Zuschauer hängen bleibt“, sagt DIKT-Geschäftsführer Gunther Schnatmann. „Die Anhänger Trumps gehören meist zur sogenannten sprachlosen Mehrheit der Amerikaner. Sie wollen einen starken Mann, der sich auf die Brust klopft. Sie wollen aber keinen Sonntagsredner, den sie nicht verstehen. Da will sich ja Trump klar vom politischen Establishment unterscheiden und das hat ihm bisher Erfolg gebracht.“ Insofern seien die Angriffe von Hillary Clinton für Trumps Anhänger nur eine Bestätigung dafür, dass jeder, der Zweifel am politischen Mainstream anmeldet, verhöhnt wird.

„Hillary Clinton muss aufpassen, dass es ihr nicht so ergeht wie Al Gore“, sagt Schnatmann Geschäftsführer-Kollege Dr. Nikolai A. Behr. Im Jahr 2000 verlor der Favorit Al Gore die Debatte und dann auch die Wahl gegen George W. Bush, der als „einfach“ und zu wenig weltmännisch erfahren galt. Gore verließ in der Sendung sein Podium und baute sich vor Bush auf, um ihn zu provozieren. Doch Bush reagierte ganz ruhig, er lächelte und beantwortete einfach die Fragen des Moderators weiter. Dadurch wirkte er souveräner als Gore. „Von wirklicher Souveränität ist Donald Trump zwar noch weit weg. Aber das Clinton-Lager sollte sich nicht nur auf den vermeintlich leicht angreifbaren Trump einschießen, sondern konsequent ihre eigenen Themen setzen“, sagt Behr. Denn: Wer nur auf andere zeigt, der zieht die Aufmerksamkeit und so manche Sympathien auf diese.


Infos zu Rede- und Talkshowtrainings des Deutschen Instituts für Kommunikations- und MedienTraining gibt es bei Luisa.Geschew(at)medientraining-institut.de

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